Homosexuelles Verhalten ist bei männlichen wie auch bei weiblichen Tieren mittlerweile in Tausenden von Fällen que(e)r durch das gesamte Tierreich dokumentiert; man darf daher als gesichert voraussetzen, dass keine größere Tiergruppe auf diesem Planeten existiert, in der Homosexualität nicht vorkäme. Wenn daher vereinzelt auch heute noch Homosexualität als "widernatürlich" abqualifiziert wird, so ergibt das vor diesem Hintergrund keinen vernünftigen Sinn, sondern erweist lediglich den Urheber solchen Geredes als Menschen mit einer zumindest sehr lückenhaften naturwissenschaftlichen Bildung.
Biologen, speziell Evolutionsforscher, haben aber nach wie vor ihre liebe Mühe mit der (evolutions-)theoretischen "Erklärung" dieses "Phänomens". Sie haben verschiedene Modelle dafür entwickelt, die in einem Fall zu passen scheinen, in einem anderen nicht. Ein Modell beispielsweise ist das des Altruismus im Rahmen der Verwandtenselektion - also im Grunde das Modell, mit dem auch der "Verzicht" auf eigene, individuelle Fortpflanzung bei fast allen Individuen staatenbildender Insekten (Ameisen, Bienen, Wespen sowie Termiten) erklärt werden kann. Durch die Investition in genetisch nahe verwandten Nachwuchs wird hier der Gesamt-Fortpflanzungserfolg weit über das Maß hinaus gesteigert, das bei eigener Fortpflanzung ggf. zu erreichen gewesen wäre. Homosexuelle Wirbeltiere (einschließlich der Vor- und Frühmenschen) sollen nach dieser Auffassung auch den Erfolg ihrer Sippe steigern, indem sie sie zahlenmäßig verstärken, bei der Futterbeschaffung mitarbeiten, den Nachwuchs von Brüdern und Schwestern mit aufziehen helfen, die Gruppe mit verteidigen, aber keine Rangkämpfe um Paarungspartner führen, sondern stattdessen durch "Kuscheln" und Sex mit Partnern des gleichen Geschlechts den Gruppenzusammenhalt erhöhen und Rivalitäten dämpfen. Sexualität hat schließlich auch die Funktion des "Sozialkitts"; vgl. unsere Seite "Zur Evolution der Sexualität". Dort wird auch ausgeführt, weshalb die Gleichsetzung von Fortpflanzung und Sexualität falsch ist. Dass dabei Homosexualität aber auch im Dienste der Fortpflanzung stehen kann, zeigt das Beispiel der "berühmten" Wanze Xylocaris maculipennis. Hier kommt es immer wieder vor, dass Männchen andere Männchen vergewaltigen und dabei ihren Samen im Samenleiter des Vergewaltigten deponieren. Paart sich dieses dann mit einem Weibchen, überträgt es zuerst das fremde Sperma, das dann bei der Befruchtung in der Regel "das Rennen macht".
Das "Phänomen Homosexualität" ist auch im Tierreich eben sehr vielgestaltig und bedarf eigentlich keiner weiteren "Erklärung" als eben der, dass das Leben oder die Evolution - wie immer man es formulieren will - alle "denkbaren" Wege und Möglichkeiten austestet und sich dabei keinen "Denkverboten" unterwirft, wie Menschen es bisweilen tun. (Und Einstein hätte einräumen müssen: Gott würfelt doch!) Bruce Bagemihl bezeichnet dies in seinem Standardwerk von 1999 (wie auch im Titel) als "Biological Exuberance". Auf seinen 750 Seiten schildert er zahlreiche Beispiele vor allem aus den Klassen der Säugetiere und der Vögel. Dass es dabei im Tierreich beispielsweise selbst dem menschlichen Transvestitismus analoge Erscheinungen gibt - sei es im Verhalten oder im Äußeren wie z.B. im Gefieder (und zwar in beide Richtungen, männlich zu weiblich wie umgekehrt), ist nur ein weiteres Beispiel für die Überfülle, den Reichtum oder auch den Überschwang in (Gottes) Natur - drei Begriffe, mit denen man "exuberance" übersetzen könnte.
Dieses Standardwerk ist auch am Ende der Neufassung eines Textes zum Thema "Homosexualität im Tierreich" abgebildet, den der Internetredakteur der HuK Hannover schon vor ein paar Jahren im damaligen hannoverschen Magazin "Mimikry" veröffentlicht hat, der soeben über seine private Homepage [als HTML-Webseite] (*) wieder zugänglich gemacht wurde. Wir stellen ihn hiermit über diesen Link wie auch hier an dieser Stelle als pdf-Datei (**) den Besuchern der Seite der HuK Hannover zur Verfügung. Sein Titel lautet: "Homos im Tierreich - oder worüber Grzimek, Sielmann & Co. meistens schweigen". Dieser Text bietet auch noch ein paar konkrete Einzelbeispiele aus dem Tierreich, wie sie der Leser der vorstehenden Absätze bisher vielleicht vermisst haben mag.
(*) Disclaimer: Diese Homepage ist in ihren Inhalten nicht mit der HuK Hannover abgestimmt und wird daher auch nicht von der HuK Hannover mit verantwortet.
(**) Den Acrobat Reader dazu können Sie über diesen Link kostenlos herunterladen!
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![]() Gegen Ende des Jahres 2006 erschien auch dieser Videofilm; näheres dazu finden Sie im |
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© 2004 HuK Hannover e.V. & Dr. Bernd König - letzte Änderung am 20.02.2007